Fingerprinting just bad and ugly
Shownotes
Wie leicht lassen sich einzelne Geräte im Netz identifizieren und nachverfolgen? Was können Nutzende dagegen tun und sich einen Rest-Komfort beim Nutzen des Webs erhalten? Und wie funktioniert Fingerprinting auch jenseits des Internets? Darum geht's in dieser Folge. Wir freuen uns über Ergänzungen, Kommentare und natürlich Bewertungen überall dort, wo ihr uns hört.
00:00:01 Intro 00:00:14 Fingerprinting 00:03:30 VPN 00:06:06 Anonym im Netz? 00:13:24 Interesse an Nutzendendaten und Convenience 00:20:05 Verschleierung, Anonymisierung, Personalisierung 00:29:30 Fingerprinting: nicht nur im Browser 00:37:20 Fingerprinting: Gut? Schlecht? Ugly? 00:51:19 Zusammenfassung 00:55:47 Outro
Links
Probing for Passwords – Privacy Implications of SSIDs in Probe Requests, <https://doi.org/10.1007/978-3-031-09234-3_19>
Darknet Diaries, The LinkedIn Incident
BSI Empfehlung: Vermeidung von Cookies und Fingerprints
Daten, Abhängigkeiten und Kontrollverlust - Wessen Regeln bestimmen dein Geschäftsmodell?
Browser-Fingerprinting: Vollständige Anleitung, Risiken und wie man sie mindert
Podcast-App-Empfehlungen
- AntennaPod (Android, Open Source)
- Pocket Casts (iOS, Android, Web)
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Die Sicherheits_lücke im Netz
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Credits
Die Sicherheits_lücke ist ein Podcast der Hamburg Open Online University (HOOU).
Mit dabei:
- Volker Skwarek (HAW Hamburg)
- Ingo Timm (DFKI / Universität Trier)
- Monina Schwarz (LSI Bayern)
- Christian Friedrich — Produktion und Schnitt
- Anne Vogt — Bildmaterial und Kapitelbilder (CC-BY 4.0)
Transkript anzeigen
Volker: Moin Moin und herzlich willkommen zum Podcast Die Sicherheitslücke.
Volker: Im Rahmen unseres Themenblogs zur digitalen Souveränität befassen wir uns heute
Volker: mit dem Thema Fingerprinting.
Volker: Unter Fingerprinting verstehen wir die Informationsgewinnung durch das Auswerten
Volker: und Zusammenfassen anderer Daten und Spuren, die wir mal hinterlassen haben.
Volker: Zum Beispiel beim Surfen hier konkret im Internet.
Volker: Also ganz konkret möchten wir uns eigentlich darum kümmern, ob es möglich ist,
Volker: dass ihr euch anonym durchs Internet bewegen könnt,
Volker: beziehungsweise welchen Aufwand dazu ihr betreiben müsst oder eventuell auch
Volker: welchen Komfortverlust ihr dadurch habt.
Volker: Das möchten wir für und mit euch diskutieren, mit euch gerne nachträglich wieder
Volker: über Kommentare oder Blog oder E-Mail-Feedback. Wir, das sind.
Ingo: Der Hobbyphilosoph Ingo Timm vom DFKI und der Uni Trier.
Monina: Und Monina Schwarz vom LSI.
Volker: Kurz vor dem verlängerten Pfingstwochenende und kurz nach einigen interessanten
Volker: Cyber-Inzidenz und Events, die wieder mal durch die Presse gegangen sind,
Volker: dachten wir, auch das Thema Datensouveränität wieder aufzunehmen.
Volker: Datensouveränität bedeutet ja grundsätzlich erstmal, dass wir hoffen und wünschen,
Volker: Herr oder Frau unserer Daten zu sein.
Volker: Das heißt, wir können selbst im Rahmen dessen, was wir präventiv vermeiden können.
Volker: Bestimmen, ob Leute unsere Daten haben oder haben dürfen oder behalten dürfen.
Volker: Jetzt ist aber die Frage, wie ist es denn rückwärtig betrachtet?
Volker: Denn überall da, wo wir unterwegs sind, hinterlassen wir Spuren.
Volker: Und es gibt ja so Standardmaßnahmen wie, keine Ahnung, VPN einschalten und dann
Volker: sind irgendwie die IP-Adressen verschleiert.
Volker: Oder ich gehe durchs Tor-Netzwerk und habe das Onion-Protokoll und dann habe
Volker: ich halt eine verschlüsselt, verschlüsselt, verschlüsselte Kommunikation zwischen
Volker: den einzelnen Knoten des Onion-Netzwerkes und bin eigentlich gar nicht mehr backtraceable,
Volker: also rückwärts verfolgbar mit dem finalen Effekt.
Volker: Dass ich eigentlich meine, alles, was ich nicht von mir preisgeben möchte,
Volker: durch solche Protokolle verhindern zu können.
Volker: Naja, und das ist ein Mythos, mit dem wir hier aufräumen wollen.
Volker: Ein bisschen dazu, dass wir euch nachher auch erklären werden,
Volker: für die, die es nicht sowieso schon wissen,
Volker: dass wenn ihr einmal auf irgendwelchen Suchmaschinen mit eurem normalen Profil
Volker: wart und danach verschlüsselt, verschleiert durchs Onion-Netzwerk, durch den Tor-Browser,
Volker: genau auf dieselbe Suchmaschine wieder geht,
Volker: dass ihr eigentlich komplett für diese Suchmaschine bekannt seid.
Volker: Also nicht nur traceable, sondern vollständig transparent und bekannt.
Volker: Aber dazu jetzt im Rahmen der Folge und einige weitere Sachen,
Volker: die im Bereich von Traceability und Spuren im Internet auch noch von Interesse liegen.
Volker: Aber ich würde, wenn unser Hobbyphilosoph Ingo bereit ist, einmal ihn eigentlich
Volker: fragen, Ingo, VPN, Fingerprints, was denkst du dazu?
Volker: Hast du dein VPN gerade an, damit wir nicht wissen, dass du es bist?
Ingo: Ich habe eigentlich immer ein
Ingo: VPN an, damit ich immer einen sicheren Kanal natürlich nach Hause habe.
Ingo: Aber selten habe ich ein VPN an, um meinen gesamten Daten-Tempferker zu verschlüsseln.
Ingo: Aber wir lernen ja sehr viel im aktuellen Bereich, im Social-Media-Bereich,
Ingo: im Podcast und allen möglichen Orten, wo man als Werbekunde auftritt,
Ingo: also wo man selber für bestimmte Produkte geworben werden soll,
Ingo: dass wir irgendwo nachvollziehbar und nachverfolgbar sind.
Ingo: Und eine der Versprechen, die oft in Podcasts gemacht werden,
Ingo: ist ja, dass wir einfach nur ein VPN anschalten müssen.
Ingo: Also so verstehe ich das. Also wenn ich mein VPN anschalte und sage,
Ingo: rute den gesamten Traffic über das VPN, dann bin ich doch anonym oder nicht?
Volker: Ja, wenn das als Frage gemeint war, natürlich wirst du anonym.
Volker: Deine IP-Adresse kennt dann zunächst erstmal, ja, wer kennt deine IP-Adresse eigentlich?
Volker: Eigentlich nur deinen VPN-Anbieter, weil der münzt dich auf eine andere um.
Ingo: Und idealerweise schmeißt du das anschließend auch wieder weg,
Ingo: also wenn die Verbindung zu Ende ist, dass es dann, wenn die Verbindung vorbei
Ingo: ist, keine Schwulen mehr zurückgibt.
Ingo: Also es ist nur zur Zeit der Verbindung der VPN-Anbieter weiß, dass ich das war.
Volker: Welchen VPN-Anbieter vertraust du?
Ingo: Ich weiß nicht, wir wollen glaube ich keine Produktwerbung machen,
Ingo: aber ich bin eigentlich ein Mensch, der aus Bremen kommt, ich komme aus dem
Ingo: Norden und vielleicht kann man sich vorstellen, wo ich mich mal hin entwickelt
Ingo: habe, aber es gibt ja, ob es andere Anbieter sind,
Ingo: Cyber oder, ich will sie jetzt nicht aufzählen, wie sie ganz genau heißen,
Ingo: aber ich glaube, ihr kennt alle die Werbung und wir haben an verschiedensten
Ingo: Orten da eben auch entsprechende Bewerbungen und Versprechen, die gemacht werden.
Volker: Ja, das größte Versprechen ist eben einfach, dass solche VPN-Anbieter ihre Daten
Volker: geheim halten oder sogar nach der Verbindung wieder vernichten.
Volker: Wobei, das kann ich mir eben nicht vorstellen, den zweiten Teil,
Volker: denn damit würden sie sich ja auch einer Forensik im Falle von Cyber-Vorfällen,
Volker: also sich selbst entziehen, weil sie dann gar nicht mehr wüssten,
Volker: welchen Nutzer zu welcher Zeit wie online waren, wenn sie das tatsächlich so täten.
Ingo: Eigentlich ist es das Versprechen, dass sie keine Logs speichern.
Monina: Aber jetzt, da wollten wir eigentlich ja gar nicht, das war eigentlich gar nicht
Monina: der Kern, den wir diskutieren wollten, sondern der Punkt Anonymität im Netz
Monina: sozusagen, in dem Fall durch die Versteuerung der IP,
Monina: was ist Anonymität in dem Fall eigentlich oder mit was kann man noch identifiziert
Monina: werden, sprich was kann alles gefingerprintet werden.
Monina: Weil eine IP-Adresse ist ja bei weitem nicht das Einzige, was man jetzt im Internet
Monina: quasi vor sich herträgt, wenn man irgendwo hingeht.
Monina: Klar, manche Instanzen sehen hauptsächlich die IP-Adresse und vielleicht noch
Monina: ein, zwei andere Details.
Monina: Von wo kommt das, wo geht das hin, Port und so weiter, Protokoll.
Monina: Aber wenn wir jetzt anschauen, wo wir dann letztendlich kommunizieren im Internet,
Monina: beispielsweise mit Webseiten, da geben wir ja nochmal ein ganz anderes Set an
Monina: Informationen preis, außer der IP, mit der wir dann wiederum identifizierbar werden.
Monina: Ich nehme an, dass du auch darauf raus wolltest.
Volker: Ja, das wäre ja jetzt der große Bogen, den, ach Mensch, Monina,
Volker: du hast jetzt schon wieder unsere gesamte philosophische Vorspielerei kaputt
Volker: gemacht. Aber du hast recht.
Volker: Also unser Kernthema heute ist halt nicht die unteren Webprotokolle oder Weblayer,
Volker: eben wie MAC-Adressen oder IP-Adressen, sondern eigentlich erstmal oder ganz, ganz oben.
Volker: Das heißt, welche Daten liefere ich eigentlich mit, wenn ich meinen Browser anmache.
Volker: Und auch hier gibt es wieder verschiedene Arten von Browsern.
Volker: Die einen sind die, die großzügigst erstmal alle eure Daten ins Internet posten.
Volker: Da kann man leider mittlerweile sagen, die herstellergebundenen Browser,
Volker: wir führen da bei uns an der Hochschule auch gerade wieder ein paar wissenschaftliche Arbeiten durch.
Volker: Die herstellergebundenen Browser, denen ist das nicht ganz so wichtig,
Volker: wie viele Daten ihr so durchs Netz postet oder nicht.
Volker: Allein dadurch, dass ihr eine Webseite aufbaut.
Volker: Und dann gibt es halt immer mehr Browser, können wir nachher auch so eine kleine
Volker: Reihenfolge mal angeben, wo ihr sukzessive immer weniger Daten ins Web hineingebt.
Volker: Und das Traurige daran ist, das hat jetzt überhaupt nichts mit dem Cognito-Modus
Volker: oder sonst was zu tun, egal welchen Browser wir nehmen,
Volker: die Sachen, dass sie die Sprache für euch richtig aufarbeiten,
Volker: dass die Bildschirminhalte die richtigen Größe für eure Endgeräte haben,
Volker: aber dass da auch ein paar Kontrollmechanismen sind.
Volker: Habt ihr mobile Endgeräte, habt ihr stationäre Endgeräte und so weiter,
Volker: führt dazu, dass ihr einen Gesamtsatz von mehreren Dutzend Parametern durch das Netz schickt,
Volker: von denen ihr nachher circa je nach Anwendung 10 bis 20 überhaupt nicht wegschalten könnt.
Volker: Und diese Kombination macht euch in der Regel so eindeutig, wenn ihr vor allem
Volker: aufeinanderfolgende Webzugriffe habt von denselben Geräten,
Volker: dass ihr euch einer Identifikation gar nicht entziehen könnt. Das ist...
Ingo: Das ist ein großes Problem, besonders weil wir damit nicht rechnen.
Ingo: Also wir rechnen ja eigentlich damit, dass wir identifiziert werden über explizite,
Ingo: über bekannte Mechanismen wie angemeldet sein oder Cookies.
Ingo: Aber dieses Fingerprinting ist sehr tiefer liegend. Und da sind möglicherweise
Ingo: Dinge drin, die sich nicht ändern auch.
Ingo: Also vielleicht Geräte, IDs oder eine bestimmte Kombination von Dingen,
Ingo: die gleichzeitig passieren auch möglicherweise.
Monina: Und das Schöne ist, umso mehr man versucht, sich selber davor zu schützen,
Monina: indem man sagt, okay, ich habe jetzt hier einen Blocker für manche Elemente,
Monina: die nicht mitgegeben werden oder die abstrahiert mitgegeben werden,
Monina: macht man sich irgendwie dadurch auch wieder eindeutiger, indem man aus der
Monina: Masse raussticht von vielen Leuten, die die gleichen Voreinstellungen benutzen.
Monina: Das heißt, es ist richtig schwierig hier, sich komplett oder weitestgehend dem
Monina: Fingerprinting, beispielsweise vom Browser-Fingerprint, dem zu entgehen.
Monina: Wenn man jetzt sagt, man schickt nur noch, man blockt einige Parameter,
Monina: die man mitschickt, dann hat man letztendlich auch wieder einen eindeutigeren
Monina: Fingerabdruck, weil man nicht in die Menge von tausend Leuten,
Monina: die den voreingestellten, weiß ich jetzt,
Monina: Die Voreinstellungen von, ich habe ein neues Handy, einer bestimmten Marke mit dem Betriebssystem,
Monina: mit dem Browser, den benutze ich jetzt einfach, indem ich sage,
Monina: ich benutze jetzt Werbeblocker, Adblocker und möchte manches nicht mehr mitschicken,
Monina: mache ich mich da ja wieder, steche ich raus, mache ich mich also besser identifiziert,
Monina: indem ich weniger mitgebe an Informationen.
Ingo: Allein dadurch, dass du keinen Standardbrowser nutzt, ne?
Monina: Genau.
Volker: Und sagen wir so eine klassische Webseite, auf der man zumindest mal die Fingerprints
Volker: oder die Parameter des Fingerprints sehen kann,
Volker: verlinken wir euch auch emmyunique.org Fingerprint und dort kann man sehen,
Volker: also welche Art von Fingerprints, ich habe das jetzt einfach mal gestartet.
Volker: Also mich machen zwei von vier Parametern, obwohl ich den Helium-Browser benutze,
Volker: der eigentlich sehr wenig mitschickt,
Volker: schon so eindeutig, dass über die Windows-spezifischen Parameter,
Volker: was zum Beispiel Schriftsätze und solche Sachen angeht, ich zu 50% identifizierbar bin.
Volker: Über die Browser-Parameter, die spezifischen, auch nochmal zu 50 und dann den
Volker: Rest machen Zeitzone und Sprachsettings,
Volker: dass ich also alleine durch diese vier Parameter schon zu ungefähr 80% trackbar bin.
Volker: Und wir gehen nachher mal auf andere Sets von Parametern ein.
Volker: Insgesamt werden rangezogen von dieser Webseite 57 Parameter.
Volker: Wenn ich jetzt mal hier so durchscrolle und die Hälfte, also mehr als die Hälfte
Volker: von denen machen mich zu 50 bis 93 Prozent traceable.
Volker: Ja, also ich hatte jetzt schon mal die wichtigsten Parameter gesagt.
Volker: Das werden halt mit übertragen, unter anderem welches Betriebssystem.
Volker: Das wird wahrscheinlich dazu dienen, um zu sagen, wie komplex und wie dynamisch
Volker: dürfen die Webseiten aufbereitet sein,
Volker: damit zum Beispiel eine mobile Webseite nicht so hyperkomplex aufgebaut ist,
Volker: wie zum Beispiel eine Desktop-PC oder Laptop-basierte Seite.
Volker: Das sind so ein Satz von Parametern oder Schriftsätze.
Volker: Welche und wie viele Schriftsätze habe ich überhaupt zur Verfügung?
Volker: Und hier ist es dann so, wenn man halt mal so einen Rechner hat,
Volker: der ein bisschen länger gelaufen ist, also nicht Stunden,
Volker: sondern tatsächlich als Gesamtbetriebszeit, dann hat man wahrscheinlich so viele
Volker: Schriftsätze gesammelt über verschiedene Applikationen wie Office-Anwendungen,
Volker: Windows jetzt selbst, vielleicht Adobe, was man dann noch installiert hat,
Volker: dass die Kombination dieser vielen Schriftarten so eindeutig erkennbar macht.
Volker: Ja, dass das schon vielleicht alleine ausreichen würde.
Monina: Okay, aber jetzt ist man identifizierbar. Aber für wen und für was?
Monina: Also wer sieht denn jetzt diesen Fingerprint oder wer kann denn im Internet
Monina: sehen und was ist die Folge daraus?
Ingo: Und warum?
Ingo: Ich würde einmal ganz kurz, es gibt natürlich ein großes Interesse daran,
Ingo: dass man den Nutzer einer Seite identifiziert.
Ingo: Und ich finde, es gibt so zwei legitime Gründe, über die man streiten kann.
Ingo: Aber das eine ist, ich möchte natürlich nicht den Nutzer selber,
Ingo: aber die Konfiguration des Systems vielleicht beobachten, um zu sehen,
Ingo: ob es eine bestimmte Art von Konfiguration gibt, die besondere Probleme bei meinen Web-Apps macht.
Ingo: Und dann eben auch die Seite heilen zu können und besser weiterzuentwickeln.
Ingo: Also es könnte schon sein, dass es da interessant ist, User über längere Zeit
Ingo: auch zu verfolgen, wie die gut oder schlecht mit einer Webseite umgehen können.
Ingo: Und das, was nicht so richtig legitim ist, weil es auch datenschutzrechtlich
Ingo: nicht eigentlich so zulässig ist, ist natürlich, umso besser wir wissen,
Ingo: wer den Rechner benutzt, umso zielgerichteter können wir Werbung schalten.
Ingo: Und zielgerichtete Werbung ist deutlich wertvoller und eben wird besser bezahlt
Ingo: als einfach nur Massenwerbung, die dargestellt wird.
Monina: Ich kann mir auch vorstellen, dass man vielleicht, ich kann mir als dritten
Monina: einen halbwegs legitimen Anwendungsfall vorstellen, dass man sagt,
Monina: man möchte von gewissen Sachen eine Marktdurchdringung irgendwie verstehen.
Monina: Also wie viele Leute, die bei mir auf die Webseite kommen, benutzen beispielsweise
Monina: Firefox in der und der Version oder dieses Betriebssystem, diese Sprache,
Monina: also so grundlegend so ein bisschen ein Gefühl dafür bekommen,
Monina: wer ist denn hier so unterwegs.
Monina: Ich kann mir vorstellen, dass das auch noch ein legitimer Anwendungsfall ist,
Monina: der mal vorkommen könnte.
Volker: Okay, aber gehen wir doch einfach mal systematisch, ich sag mal,
Volker: die verschiedenen Kategorien von Informationen durch.
Volker: Und es ist ja die Frage gewesen, warum bin ich überhaupt detektierbar?
Volker: Naja, es gibt halt so ein paar Parameter, die machen schon Sinn,
Volker: um zu sagen, in welcher Art und Weise müssen denn Inhalte überhaupt übertragen werden?
Volker: Also sprich, welchen klassischen Browser benutze ich in diesem Fall,
Volker: weil halt verschiedene Browser-Informationen unterschiedlich interpretieren
Volker: und wenn ich jetzt nicht nur rein plain HTML dargestellt haben möchte oder meinetwegen
Volker: sogar ein Textdokument im Browser,
Volker: sondern halt wir möchten es ja schön komfortabel und unsere Videokonferenz,
Volker: da möchten wir halt gerne bestimmte Settings einstellen können und die soll
Volker: sich das System auch merken,
Volker: dann muss es ja ungefähr wissen, wie der Browser.
Volker: Überhaupt aufgebaut ist oder
Volker: welcher Browser da liegt. Also diese Informationen müssen wir liefern.
Volker: Dann kann der Content, also das, was übertragen wird, kann möglicherweise kodiert werden.
Volker: Sprich, kann ich MPEG dekodieren oder nicht?
Volker: Oder, keine Ahnung, sind SIPs zulässig? Also dass ich einen Gesippten zu Informationen
Volker: rübergeschickt bekomme.
Volker: Also Parameter der Nachrichtenübertragung machen irgendwie auch noch Sinn.
Volker: Sprache bei sprachvariablen Webseiten in einem Content-Management-System ist
Volker: auch ganz cool, wenn die Sprache vorhanden ist, wie Deutsch,
Volker: möchte ich natürlich jetzt nicht irgendwie,
Volker: keine Ahnung, koreanisch angezeigt bekommen, nur weil es halt eine koreanische
Volker: Webseite ist, also macht das Ding auch Sinn.
Volker: So und das sind schon mal insgesamt dann sechs Parameter.
Volker: Von denen man sagen kann, boah, also der größte Parameter hier hat bei mir schon
Volker: 40% Eindeutigkeit mit den ganzen Informationen über die Möglichkeiten des Content-Encodings.
Volker: So, jetzt kommt ihr. Also ich bin schon mal als, ich sag mal als einer von zweieinhalb
Volker: oder einer von dreien, bin ich allein dadurch detektierbar, dass ich gerne Sachen
Volker: schön dargestellt haben möchte.
Monina: Und das betrifft nun mal leider die meisten Menschen, dass wir irgendwie Sachen
Monina: gerne schön dargestellt bekommen.
Monina: Also ich sag mal, da irgendwie Abstriche hinzunehmen wird schwierig.
Volker: Ja, ich würde sogar mal auf mehr als die meisten angehen.
Volker: Also bin ich ja ganz ehrlich, so Raw-Text-Webseiten habe ich eigentlich noch
Volker: nie gemocht, nicht mal in den 1990ern.
Volker: Die werden jetzt aber relativ browserunabhängig und ich bin schon ganz froh
Volker: drüber dass ich hier in unserer Videokonferenz zum Beispiel echte Bewegtbilder sehe,
Volker: weil er könnte ja auch für jedes Frame eine neue Webseite aufbauen und ich könnte
Volker: mir dann so ein Daumenkino ausdrucken und zurechtschneiden Das.
Monina: Wäre doch mal.
Volker: Nett.
Monina: Vico im Daumenkino Ja.
Volker: Die muss dann aber aufgezeichnet und vorher per Paketpost verschickt werden bitte.
Volker: Unbedingt Ja, also das heißt schon die ersten Parameter, die mich als einen
Volker: von zwei bis drei transparent machen, ganz ehrlich, die will ich ja haben.
Volker: Und jetzt kommen halt die Nächsten.
Volker: Jetzt kommen sowas wie JavaScript-Attribute. Okay, ich kann natürlich JavaScript
Volker: konsequent deaktivieren.
Volker: Jetzt wäre ich mir gar nicht mehr sicher, ob wir dann überhaupt noch hier unsere
Volker: Videokonferenz durchführen könnten, wenn ich so richtig sage,
Volker: nee, ich lasse es so gar nicht zu.
Monina: Ich hatte das mal sehr lange, keine Cookies, kein JavaScript aktiviert und noch
Monina: ein paar Sachen und das macht das Internet schon sehr unschön zu benutzen.
Monina: Es macht schon wirklich wenig Spaß.
Volker: Oder unmöglich.
Monina: Nahezu unmöglich. Man muss sehr viele Abstriche hinnehmen, was man dann alles
Monina: nicht benutzen kann oder was einfach nicht funktioniert.
Ingo: Also gehen wir mal davon aus, dass es auch… Und im Grunde konnten wir auch in
Ingo: den 90ern, das war recht anonym, aber das hat keinen Spaß gemacht,
Ingo: weil man keinerlei Funktionen dahinter hat und auch keine Historie oder Verläufe,
Ingo: entsprechende Bereitstellungen, die passen für das Gerät.
Volker: Ja, das sind ja die verschiedenen Stufen der Internetentwicklung und wir wollten
Volker: ja rein vom rein deskriptiven Internet eben zum interaktiven oder sogar zum kommunikativen,
Volker: also mit Webkonferenzen oder sogar vielleicht zum proaktiven,
Volker: dass dir die KI schon aufgrund deines Browser-Profils sagt,
Volker: ohne dass du auch nur ein Zeichen eingetippt hast, Lieber Ingo,
Volker: du möchtest doch heute bestimmt erstmal die Welt zuerst lesen,
Volker: weil du bist kein Zeitleser.
Volker: So, das hättest du doch wahrscheinlich auch gerne, oder?
Ingo: Also, wenn ich ganz ehrlich bin, mag ich lieber die Zeit.
Volker: Na gut, KI kann auch funktionieren. Ich meine, da schützt sich ja die KI nicht.
Volker: Aber okay, also das heißt hier erstmal zu der Frage, was bringt uns das?
Volker: Und das war auch so ein Teil dieser Studie, die wir durchgeführt haben.
Volker: Eigentlich wollen wir gerne dieses Traceable, also nein, wir wollen nicht das
Volker: Traceable haben, aber wir wollen die Feature haben. Und alles,
Volker: was uns diese Feature nicht liefert, das betrachten wir als unmodern und benutzen es nicht mehr.
Volker: Also selbst wenn man sich mal ein bisschen im Darknet umschaut,
Volker: auch diese Shops dort haben Feature, die zumindest darauf schließen lassen, dass wir erneut da sind.
Volker: Also im Darknet haben wir dann vielleicht keine direkte soziale oder namentliche
Volker: oder IP-basierte Nachverfolgbarkeit, aber man kann schon mal sagen,
Volker: okay, User diesen Typs waren schon siebenmal da.
Volker: Und wenn diese Darknet-Plattform jetzt möglicherweise auch eine Echt-Webseite
Volker: mit zur Verfügung stellt,
Volker: also im normalen Internet und die dann per Google zum Beispiel suchbar ist,
Volker: dann kann man genau über diese Traces, das heißt ich gehe einmal per Google auf diese Webseite,
Volker: die können mich identifizieren und ich gehe einmal per Darknet auf diesen Server
Volker: und der kann mich identifizieren und schon habe ich die Personenverbindung zu mir.
Volker: Und das, ja, was hilft uns das jetzt im Unternehmenskontext oder sowas?
Volker: Ich würde sagen, ein Verschleiern von uns ist mindestens auf nachrichtendienstlicher
Volker: oder auf staatlicher Ebene überhaupt nicht mehr möglich.
Volker: Und wenn wir jetzt zu diesen Big Five gehören, wie Google oder wer auch immer
Volker: da große Webseiten anbietet, OpenAI, ist es für uns eigentlich überhaupt nicht
Volker: mehr möglich, unsere Identität zu verschleiern.
Monina: Oder andersrum, die Versteuerung kann nicht mehr funktionieren,
Monina: indem wir Funktionalitäten wegnehmen und dann sagen, wir machen es uns unbequemer,
Monina: indem wir jetzt JavaScript ausmachen und einen alten Browser verwenden,
Monina: weil das macht uns andererseits ja auch wieder irgendwie einmaliger.
Monina: Sondern eigentlich müsste man dann schauen, dass man möglichst große Sets hat
Monina: an Benutzern, die das gleiche benutzen, um in einem Anonymitätsset unterzugehen.
Monina: Dass man sagt, man hat standardmäßig, benutzen alle in einer Firma diesen Browser
Monina: mit diesen Einstellungen, diesen zugrunde liegenden Monitorauflösungen,
Monina: dem Set an Codecs oder dem Set an Fonts, den man hat und dann ist man zumindest
Monina: nicht mehr aus diesem Set wiederzuerkennen.
Monina: Aber das ist auch nicht ganz so trivial umsetzbar.
Ingo: Also dein Tipp ist, wenn man anonym sein will, möglichst mainstream.
Monina: Genau, in dem Fall.
Ingo: Möglichst unauffällig kleiden, also möglichst unauffällig und gleichartig sein
Ingo: zu den meisten anderen. Das ist ein interessanter Ansatz.
Ingo: Ich würde einmal nochmal ganz kurz, weil ich es nebenbei gemacht habe,
Ingo: ist leider erst jetzt fertig geworden.
Ingo: Ich habe das MI Unique mal ausgeführt auf meinem Rechner, da hatten wir eben
Ingo: darüber gesprochen, das habt ihr ja auch gemacht. und parallel habe ich es jetzt
Ingo: nochmal auf dem iPad gestartet mit dem VPN aktiv und habe auch den Webbrowser
Ingo: beendet und neu gestartet.
Ingo: Wichtiger Punkt, wenn ihr VPN nutzen wollt auf solchen Geräten,
Ingo: immer daran denkt, dass ihr das Programm, was ihr nutzt, nach dem Verbinden erst startet.
Ingo: Also vorher das nochmal abschließen, weil ansonsten nimmt er die Verbindung, die er vorher hatte.
Ingo: Dann bin ich dort in einen anonymen Modus gegangen, also in den Privatmodus
Ingo: des Browsers und ich habe exakt die gleiche Signatur.
Ingo: Also ich bin ebenfalls unique, wie es so schön heißt, unter heute 2600 anderen Menschen oder Geräten.
Ingo: Und genau das habe ich auf dem anderen Computer auch gehabt,
Ingo: dass er ein anderes Betriebssystem hat,
Ingo: Das ist schon faszinierend. Also wir sind in einem großen Block,
Ingo: also 2600 sind ja nicht wirklich viel Menschen, die ähnlich sind,
Ingo: sind wir schon mal erst mal direkt eingefangen und das über diese ganz rudimentären
Ingo: Dinge, die ja direkt abgefragt werden können.
Ingo: Da haben wir noch keinerlei Verhaltensanalyse mit drin, dass wir bestimmte Webseiten
Ingo: besucht haben oder möglicherweise bestimmte Cookies installiert haben.
Volker: Das haben wir bei der Seite tatsächlich auch als kleinen Kommentar für uns in der Studie.
Volker: Also wir wissen ja nicht, wie sie funktioniert. Die Algorithmen werden uns ja
Volker: hier nicht offengelegt.
Volker: Möglicherweise ist das auch oben ein Werbeslogan. Also dass die immer sagen, ja, du bist unik.
Volker: Deswegen sind wir einfach mal weitergegangen und haben geguckt,
Volker: ja, wie viele Eindeutigkeitsmerkmale sehen wir denn?
Volker: Also mal abgesehen von dem Statement und dass es da noch ein paar Alternativseiten
Volker: gibt, die uns aber ähnliche Statements immer geben, ist das denn plausibel?
Volker: Indem man einfach mal Wahrscheinlichkeiten ausrechnet, also wie viele User gibt
Volker: es mit diesen Feature und wenn man das jetzt mal alles als Wahrscheinlichkeiten
Volker: multipliziert oder sowas und dann kommt dann tatsächlich auch immer irgendeine
Volker: Wahrscheinlichkeit im Subpromille-Bereich raus,
Volker: die für einen selbst dann da ist.
Volker: Und das zeigt auch, wenn die im Subpromille-Bereich ist, dass man nicht nur
Volker: unter 2000 Usern eindeutig wäre, sondern möglicherweise unter 200.000 Usern
Volker: auch noch eindeutig wäre.
Volker: Und das ist eben genau das, was mich immer hier ein bisschen zurückschreckt.
Volker: Aber ich würde gerne nochmal auf zwei, drei weitere Parameter,
Volker: die man vielleicht gar nicht so erwarten würde.
Volker: Also man würde jetzt erwarten Bildschirmgröße, Bildschirmausrichtung und solche
Volker: Sachen, Sprache, Zeiteinstellungen, alles dieser Kram.
Volker: Aber es werden zum Beispiel eben auch mit übertragen Akkustände von Geräten.
Volker: Und da haben wir dann erstmal lange Zeit dran geknobelt, warum werden solche
Volker: Dinge übertragen, weil das ist ja echt ein reines Luxus-Feature.
Volker: Habt ihr eine Idee? Also genau wissen tun wir es auch nicht,
Volker: aber wir haben so ein paar Anwendungsfälle für Akkustände mitgedacht.
Monina: Also es könnte sein, dass es Sachen gibt, die einen Akkusaving-Mode haben.
Monina: Also sprich dann zum Beispiel vielleicht weniger Anzeigen oder weniger Veränderungen in Bildern machen.
Monina: Also weniger Sachen machen, die Akku benötigen bei einem Mobilgerät zum Beispiel.
Ingo: Könnte ich mir vorstellen. Aber wenn du z.B. eine mobile Navigation hast,
Ingo: da wäre es dir ärgerlich, wenn in der Navigation der Rechner ausgeht oder das Handy ausgeht.
Volker: Sehr naheliegend. Und wir haben nach ein bisschen Recherche auch noch weitere
Volker: Feature gefunden, die zum Beispiel auf Akkustände zugreifen.
Volker: Das ist nämlich zum Beispiel eine Bot-Detektion.
Volker: Weil wenn du ein mobiles Endgerät hast, dann muss sich der Akkustand langsam
Volker: mit der Zeit verändern und wenn der das nicht tut, dann kann man zum Beispiel
Volker: anfangen, so eine Bot-Detection da mit reinzuspielen.
Volker: Also das heißt, das sind sogar Sicherheitsmaßnahmen, die darauf basieren,
Volker: dass wir unsere Privacy aufgeben und uns Traceable machen.
Volker: Und jetzt kommen wir auch auf so einen ganz interessanten Konflikt.
Volker: Anonymität versus Komfort.
Volker: Also je anonymer ich werden möchte oder Privacy versus Identity,
Volker: je weniger ich identifizierbar werden will,
Volker: umso weniger personalisierte Informationen bekomme ich auch.
Volker: Und das ist wieder natürlich so ein Punkt, das wollen wir eigentlich ja möglichst
Volker: komfortabel eingepackt werden.
Monina: Da würde ich jetzt wieder sagen, normalerweise hat man da den Trade-off und
Monina: sagt, okay, wie viel möchte ich aufgeben an Gemütigkeit, um mir meine Anonymität
Monina: oder meine Privatsphäre zu erhalten.
Monina: Aber hier scheint das ja wirklich relativ aussichtslos zu sein.
Monina: Wenn man so schnell durch so wenig so klar identifizierbar ist,
Monina: dann braucht man sich beim Rest auch nicht mehr Mühe geben, oder?
Monina: Oder wie seht ihr das, wenn ihr da genauer reingeschaut habt?
Volker: Also grundsätzlich haben wir erstmal gesagt, also Web-Identität mit den heutigen
Volker: Informationen, die von Browsern mitgeschickt werden,
Volker: ist nicht mehr gegeben, es sei denn, du gehst halt über die Konsole über einen
Volker: Curl-Befehl oder über einen W-Get oder sowas und holst dir wirklich die Webseiten
Volker: im Plaintext in die Konsole,
Volker: also ins Command-Line-Interface per Curl oder sowas.
Volker: Aber da sind wir ja jetzt genau weit weg von den Anwendungen,
Volker: wo wir hinwollen, denn du willst ja deine Videokonferenz nicht als MPEG-Stream
Volker: in der Kommandozeile sehen.
Monina: Wäre mal spannend zu sehen, aber bringt einem herzlich wenig normalerweise.
Volker: Ja, die Typen in der Matrix haben das, glaube ich, hingekriegt und mit den Buchstaben
Volker: wieder so runtergefallen sind. Und naja, nee, das, genau.
Volker: Aber ich glaube, wir hatten eben auch noch, Monina, ich glaube,
Volker: da wolltest du noch was zu sagen.
Volker: Es gibt nicht nur die Browser Fingerprints, also wo wir uns gar nicht eigentlich
Volker: gegenwehren wollen, sondern wir haben noch viele, viele andere Möglichkeiten,
Volker: uns erkennbar zu machen, ob wir es wollen oder nicht.
Monina: Ja, aus Sicht einer Webseite braucht man ja gar nichts anderes,
Monina: um noch irgendwie die Person zu identifizieren.
Monina: Aber gut, gehen wir jetzt mal weg von, wir sind ein Webseitenbetreiber oder
Monina: wir sind an dieser Stelle im Netzwerk.
Monina: Vielleicht wollen wir auch einfach nur ein Gerät an sich identifizieren,
Monina: das sich irgendwo in einem Netzwerk anmeldet. Ich meine, man hat heutzutage
Monina: viele IoT-Geräte beispielsweise.
Monina: Da kann man auch jetzt als positives Beispiel für ein Fingerprint die ganzen
Monina: Signaturen, die so ein IoT-Gerät von sich gibt, wie schnell das auf Sachen reagiert
Monina: oder mit welchen Protokollen das zurechtkommt, welche Verschlüsselung das kann.
Monina: Einen Fingerprint von einem IoT-Gerät beispielsweise bilden und darüber auch
Monina: ein gewisses Maß an Identifikation der Geräte erreichen,
Monina: dass man dann weiß, mit welchem Gerät man das zu tun hat, auch wenn das Gerät
Monina: selber vielleicht gar nicht so richtig viel Leistung hat, um irgendwelche großartigen
Monina: Identifikationssachen mitzugeben oder man Bandbreite sparen möchte,
Monina: was ja auch oft der Gefall ist bei Sensoren beispielsweise.
Monina: Genau, also wir haben in dem Fall eine Mischung aus einem Device Fingerprint,
Monina: also was hat das Device noch an Spuren oder an Merkmalen, die das Preis gibt
Monina: und vielleicht auch an einem Verhaltens Fingerprint, also Behavioral Fingerprint,
Monina: welches Verhalten liegt, was an den Tag sei es jetzt der Nutzer,
Monina: der durch die Art, wie er mit Maus und Tastatur umgeht,
Monina: die Geschwindigkeit, in der das Passwort eingegeben wird oder kleine Unterschiede
Monina: beim Passwort eingeben bei den verschiedenen Buchstaben von der Geschwindigkeit.
Monina: Solche Parameter als auch zum Beispiel,
Monina: Oder bei IoT-Geräten die Geschwindigkeit, in der Sachen neu gesendet werden
Monina: oder die irgendwelche Header-Informationen, die wieder dazukommen.
Monina: Wobei, ich glaube, folge damit, hattet ihr euch auch mehr beschäftigt mit dem
Monina: Identifizieren von einzelnen IoT-Geräten oder einzelnen Kleinstgeräten in Netzwerken.
Monina: Was runter, glaube ich, geht bis hin zu welchen Spannungsabdrücke sie haben,
Monina: was ja auch wieder ein Fingerabdruck in einem Netzwerk im Sinne von einem Stromnetzwerk
Monina: ist, dass man da dann nochmal die andere Ebene hat, dass man da ein Gerät über
Monina: den Stromverbrauch einigermaßen identifizieren kann.
Volker: Das wird man machen können. Also auf der Seite sind wir nicht so tief runtergegangen.
Volker: Wir sind jetzt tatsächlich mehr auch wieder auf Public Available Information
Volker: gegangen. Und da ist zum Beispiel eine ganz coole Webseite wiggle.net, also W-I-G-L-E.
Volker: Das sind SSIDs von drahtlosen Netzen.
Volker: Das heißt, die Leute haben sich einfach aus Spaß irgendeine App auf dem Handy installiert,
Volker: fahren mit der App durch die Gegend und zeichnen einfach mal die georeferenzierten,
Volker: also über GPS-Koordinaten referenzierten SSIDs auf, die sie dann über Bundesstraßen
Volker: oder sowas einfach im Vorbeifahren mal mitschneiden.
Monina: Kurz für die Leute, die sich damit nicht ganz so gut auskennen,
Monina: beispielsweise wenn euer Netzwerk,
Monina: mein einzigartiges Netzwerk 345 heißt, das sind dann die ausgestrahlten SSIDs,
Monina: die man sehen und mitschneiden kann, wenn das Netzwerk nicht versteckt ist und
Monina: das ist das, was auf WiggleNet, glaube ich, angezeigt wird.
Monina: Entschuldigung für den Einwand.
Volker: Nee, klar, kein Ding. Und das heißt, die Apps, die dann auf den Handys dann
Volker: mit durch die Gegend fahren, die posten das dann in eine Datenbank,
Volker: die von WiggleNet dann gehostet wird.
Volker: Und dort könnt ihr, also das ist erstmal irgendeine Spieleanwendung,
Volker: also Spiele im Sinne von Sandkasten, könnt ihr jetzt erstmal gucken,
Volker: wie die SSID von eurem Nachbarn heißt.
Volker: Da könnt ihr die auch so, aber dann über diese Karte und Datenbank und dort
Volker: zum Beispiel nachvollziehen, wie andere SSIDs heißen.
Volker: Ist erstmal noch nicht ganz so spannend. Wie werde ich dadurch traceable?
Volker: Die Standardkonfiguration, die eure Handys zum Beispiel haben,
Volker: sagt, dass sie regelmäßig nach unbekannten SSIDs scannen.
Volker: Entschuldigung, nach bekannten SSIDs, also Web Access Points,
Volker: die ihr schon mal benutzt habt, scannen die, indem sie einfach fragen,
Volker: regelmäßig, bist du SSID-Name gerade in meiner Nähe?
Volker: Das dient unter anderem dazu, dass diese Systeme, also die Handys,
Volker: sich in ihrer Leistung, in ihrem Leistungsbedarf runterfahren können,
Volker: also weniger Leistung in das WLAN geben,
Volker: dadurch natürlich selbst verwendet.
Volker: Oder andersrum, WLAN-Access-Punkte können auch ihre Leistung runterfahren.
Volker: Dadurch wird einfach der Energiebedarf reduziert.
Volker: Und wenn sie dann angesprochen werden, dann fahren sie halt ihre Leistung wieder
Volker: hoch, weil sie merken, oh, da ist ein Nutzer, der möchte was von mir.
Volker: Ich weiß noch nicht, wie weit der weg ist, welche Leistung der so zur Übertragung
Volker: der Informationen braucht.
Volker: Und fahren erst mal ihre Leistung wieder hoch, um dann erkennbar zu werden.
Volker: Das heißt also, das Handy fragt regelmäßig in seiner Umgebung,
Volker: hallo ihr, die ich euch da kenne, seid ihr denn da? Kann ich mich mit euch verbinden?
Volker: Das bedeutet, diese Informationen könnt ihr auch public abgreifen.
Volker: Also diese Geräte sind weder kompliziert zu bedienen, noch teuer zu kaufen.
Volker: Und damit könnt ihr euch in eine U-Bahn-Station zum Beispiel stellen und mal
Volker: gucken, welche SSID-Anfragen so alles an euch vorbeilaufen.
Volker: Das ist vielleicht auch noch nicht ganz so spannend. Das ist jetzt ganz fantastisch.
Monina: Wir haben jetzt die Kurve sowohl von, wir sind im Internet mit unserem Browser
Monina: alleine schon oder mit einer Browser-Anfrage trackbar durch unseren Fingerprint,
Monina: in der Browser verursacht, hingekommen zu,
Monina: wir benutzen überhaupt nur das Handy und durch das alleinige Benutzen oder Existieren
Monina: von dem Handy in unserer Hand sind wir sozusagen sogar schon physisch trackbar,
Monina: nicht nur durchs Internet hindurch.
Monina: Da haben wir jetzt einmal die Kurve nach außen geschlagen.
Volker: Ja genau und das ist jetzt das Spannende mit dieser Datenbank.
Volker: Also erstmal rein juristisch bin ich mir, also ich möchte mich da juristisch
Volker: immer nicht so aus dem Fenster hängen, aber ich würde mal sagen,
Volker: das sind alles öffentlich verfügbare Informationen,
Volker: also sowohl die Datenbank als auch die Suchanfragen der Handys,
Volker: weil die posten die ja öffentlich über den Kanal, um öffentlich die Antwort
Volker: zu kriegen, ja ich Access Point bin jetzt hier.
Volker: Wenn diese Informationen, also ich sag mal, irgendwo abgegriffen werden,
Volker: dann kommt jetzt ein interessanter Aspekt.
Volker: Kann ich mit der Kenntnis dieser Informationen, also wie heißt dieser Access Point,
Volker: in WiggleNet gehen, den Namen des Access Points eintippen und wenn ich Glück
Volker: habe, wurde der schon mal irgendwo anders erfasst und ich weiß, wo diese Person wohnt.
Volker: Und das ist etwas, das macht mir echt Bauchschmerzen, das kann man in Handys auch ausstellen.
Volker: Das hat allerdings dann nachher so ein Connectivity-Problem,
Volker: dass sich nämlich ein Handy nicht automatisch mehr mit einem neuen Access-Point
Volker: verbinden wird, denn es fragt ja jetzt nicht mehr unaufgefordert an, bist du in meiner Nähe?
Monina: Es ist aber auch schon besser geworden, was die Privacy-Probleme von Handys
Monina: dabei angeht, weil es verschiedene Mechaniken gibt, dass die nicht mehr direkt
Monina: die Namen rausgefragt werden.
Monina: Da gibt es, ich weiß aber nicht, was der aktuellste Stand ist,
Monina: das ist ein bisschen her, dass ich mich mit dem Thema beschäftigt habe,
Monina: aber es wurde theoretisch besser.
Monina: Es gibt Gegenmaßnahmen, die zwar dann ein bisschen die Leistung beeinflussen,
Monina: aber auch funktionieren.
Monina: Die auch auf Betriebssystemebene von Handyherstellern und Handybetriebssystemherstellern
Monina: selber umgesetzt werden.
Ingo: Das zeigt auch ein bisschen das Problem, was wir mit so einem Thema wie Fingerprinting haben.
Ingo: Das ist nicht ein festes Thema, das wir jetzt bestimmen können und exakt beschreiben
Ingo: können, was da alles verfügbar ist, möglich ist oder nicht möglich ist.
Ingo: Sondern es ist im Prinzip immer eine Weiterentwicklung zwischen Angreifern und
Ingo: Verteidigern an der Stelle.
Ingo: Also beispielsweise von Volker vorhin der aufgebrachte Aspekt beim Fingerprinting,
Ingo: dass wir den Batteriestand sehen und noch viel schlimmer, nicht nur den Batteriestand,
Ingo: sondern auch die Zeit in Sekunden, bis die Batterie alle ist als Schätzung.
Ingo: Also mit dem man dann quasi zusammen auch sehen kann, was für eine Kategorie
Ingo: oder was für ein Gerät es ungefähr sein müsste, wird beispielsweise von vielen
Ingo: Browsern mittlerweile nicht mehr übertragen, weil es eben zu stark zum Individualisieren
Ingo: wird, im Tracking benutzt werden kann.
Ingo: Und die Frage, Geräte, die sich anmelden mit den Hardware-Adressen, man nennt das Mac-ID,
Ingo: die beim Hotspot anfragen oder Hotspot kann dann quasi sehen,
Ingo: wer eigentlich beim anfragt, die werden teilweise virtualisiert und verändert,
Ingo: was dann aber auch wieder Komforteinbußen hat.
Ingo: Also wir haben immer so eine entsprechende Entwicklung.
Ingo: Das, was mir in diesem Kontextsorgen macht, und das ist vielleicht wichtig für die Risikofragen,
Ingo: Fingerprinting an sich ist, wenn man es ordentlich macht und nicht zu viel personenbezogene
Ingo: Daten dabei sammelt, tut man nämlich üblicherweise ja nicht.
Ingo: Kann man darüber streiten, ob es überhaupt ein Problem ist aus dem Datenschutzkontext heraus.
Ingo: Also ist das schon was, was die informationale.
Ingo: Selbstbestimmung betrifft oder nicht?
Ingo: Und ich würde sagen, im Üblichen bei vielen Dingen wahrscheinlich nicht.
Ingo: Also wenn mein konfiguriertes iPad irgendwelche Daten abgibt,
Ingo: die über den Browser, über Sprache und sowas gehen und das genutzt wird,
Ingo: wäre es erstmal unproblematisch.
Ingo: Aber problematisch wird es dadurch, dass wir, wenn wir das mit KI-Algorithmik
Ingo: verbinden, dass wir im Prinzip mit Datenpunkten sehr schnell irgendwann doch
Ingo: auf Personen dann auch wieder zurückkommen.
Ingo: Eben mit der Zunahme von verfügbaren Informationen, vielleicht durch Begegnungen,
Ingo: die wir gehabt haben mit unserem Telefon.
Ingo: Und das ist etwas, das schon problematischer ist.
Ingo: Also wir können im Prinzip nicht mehr sicher sein, dass wir mit so einem technisch
Ingo: geclusterten oder kategorisierten Konzept des Fingerprintings nicht nachher
Ingo: auch wieder individuell nachvollziehbar werden.
Monina: Das heißt, die Verknüpfung von den verschiedenen Fingerprints sozusagen,
Monina: die wir an verschiedensten Stellen digital wie physisch hinterlassen,
Monina: also jetzt auch nur auf digitale Geräte bezogen, aber die wir hinterlassen,
Monina: verschmelzen oder können jetzt deutlich mehr in Verbindung gebracht werden,
Monina: das ist die Gefahr daran.
Ingo: Ja, das Problem ist, was Sie ja schon ein bisschen eben andiskutiert hatten,
Ingo: das ist die Gerätevielfalt.
Ingo: Also ich habe eine bestimmte Kombination von Geräten bei mir,
Ingo: die bestimmte digitale Spuren hinterlässt.
Ingo: Jedes Gerät für sich ist ein einzelner Fingerprint, aber die Fingerprints kommen
Ingo: alle gleichzeitig vor und immer zusammen in einer Klasse.
Ingo: Und wir hatten das Thema bei uns mal gehabt, wir hatten in einer Untersuchung
Ingo: überlegt, ob wir datenschutzfreundlich eine ungefähre Belegung von Räumen abschätzen
Ingo: können, zum Beispiel von einem Vorlesungsraum,
Ingo: ohne dass wir eine Kamera aufstellen müssen oder irgendwelche personenbezogene Daten brauchen.
Ingo: Und die Idee war, dass wir über verschiedene Faktoren gehen,
Ingo: über verschiedene Daten, die uns zur Verfügung stehen, insbesondere über die
Ingo: Access Points und Daten, die wir dort quasi erfassen können.
Ingo: Und da ist uns schon aufgefallen, dass es extrem schnell doch sehr individualisierte
Ingo: Muster gibt, die wir dann finden.
Volker: Ja, also ich muss auch sagen, also für mich, ja, da schlagen jetzt zwei Herzen in der Brust.
Volker: Und das eine ist dann doch irgendwie der unbescholtene Staatsbürger,
Volker: der sagt, naja, ich möchte gerne den Komfort haben, belastet mich jetzt persönlich.
Volker: Also kann ich deswegen nachts schlecht schlafen, dass man mich fingerprinten kann?
Volker: Und da muss ich sagen, wenn ich dafür den gesamten Komfort aufgeben müsste,
Volker: den das Internet und auch die Kommunikation per drahtlose Verbindung mit sich gebracht hat,
Volker: wenn ich das alles aufgeben müsste,
Volker: wäre ich nicht mehr bereit zu.
Volker: Das wäre für mich so die Zeit ins SMS-Zeitalter zurück, der Sprung. Hätte ich keine Lust.
Volker: Wenn ich jetzt umgekehrt aber überlege, nehmen wir mal an, irgendwelche politischen
Volker: Systeme sind mir nicht ganz so wohlgesonnen und suchen einfach nur nach mir,
Volker: einfach nur nach einem Fehlverhalten, um mich dadurch irgendwie sanktionieren zu dürfen.
Volker: Könnte man heute eigentlich mit dem modernen Kommunikationssystem kein Fingerprinting
Volker: mehr vermeiden, egal was man tut
Volker: und müsste eigentlich wieder aus dem Kommunikationszeitalter aussteigen.
Volker: Das ist das, was mich echt ziemlich betrifft.
Monina: Oder schauen, dass man sich da entweder wirklich in Anonymitätsset begibt oder
Monina: sich sozusagen die Identität von jemandem stiehlt, was natürlich jetzt auch
Monina: erstmal negativ wäre an dem Punkt,
Monina: aber sozusagen die digitale Identität von jemand anders annimmt,
Monina: sich von jemand anders die komplette Konfiguration spiegelt,
Monina: von Browsern, allem, um dann darunter unterzutauchen.
Monina: Funktioniert natürlich auch nur bedingt, bis man wieder einmal irgendwas tut,
Monina: das einen in irgendeiner Form auf eine Beobachtungsliste oder was auch immer,
Monina: das du jetzt meintest, also quasi in den Beobachtungsfokus von irgendjemandem bringt.
Monina: Dann müsste man das wieder machen mit einer anderen Person, sich eine andere
Monina: Identität holen. Aber das wäre noch so ein Weg.
Monina: Irgendwie untergehen in der Masse und in anderen Identitäten.
Volker: Da komme ich jetzt als Identitätsforschung noch mal. nochmal durch.
Volker: Also ich weiß, was du meinst und du meinst mit anderen Identitätssuchen,
Volker: dass ich mich sozusagen als jemand anderes ausgebe.
Volker: Das Problem ist aber, Identität ist genau umgekehrt definiert.
Volker: Identität ist das, was dich eindeutig macht. Da ist jetzt egal,
Volker: ob Name, Geburtsdatum oder sonst irgendwas.
Volker: Weg von deinen ganzen Sozialparametern. Also ich weiß nicht,
Volker: dass du Monina heißt und ich weiß nichts über dich als realen Menschen.
Volker: So kann ich doch eine Identität von dir über die Parameter bilden,
Volker: die du nicht in der Lage bist, zur Seite zu schieben.
Volker: Das heißt, wenn ich dich vorher noch nie gesehen habe und wie gesagt,
Volker: du läufst in der U-Bahn an mir vorbei und ich nehme halt mal kurz eben deine
Volker: Handyparameter auf, vielleicht an mehreren Tagen zu verschiedenen Zeiten, kann ich sofort sagen,
Volker: wo du wohnst und so weiter.
Volker: Und jetzt müsstest du dir quasi ein neues Handy anschaffen und das verbindest
Volker: du jetzt zu Hause wieder mit deinem WLAN und übermorgen weiß ich jetzt sogar,
Volker: dass du dir sogar noch ein neues Handy angeschafft hast.
Volker: Deswegen, also rein aus Identitätsgesichtspunkten kannst du keine fremde Identität
Volker: annehmen, weil die Identität dich eindeutig macht. Und da sind wir leider heute.
Monina: Ja, nur wenn man das Verhalten dahinter noch zusätzlich ändert, das stimmt.
Ingo: Und aus juristisch-ethischer Sicht ist natürlich das große Problem,
Ingo: was wir hier haben, dass es eine nicht bewusste Aufnahme, nicht bewusste Kategorisierung ist.
Ingo: Also es ist nicht dieses, ich melde mich im Browser an, ich habe ein Cookie zugestimmt.
Ingo: Es gibt kein Konsent im klassischen Sinne für diese Art von Tracking,
Ingo: die hier ermöglicht wird, technisch gesehen.
Ingo: Und das ist so eine große Schwierigkeit, die dabei besteht.
Monina: Gut, aber was ist denn dann die Implikation, die wir im Alltag daraus ziehen sollten?
Volker: Das Bewusstsein, dass wir es nur durch Digital Detox, also Entzug der digitalen Welt, eigentlich,
Volker: also wir müssen die digitale Identität aufgeben, um nicht mehr traceable zu sein.
Volker: Oder umgekehrt, diese digitale Identität macht das Tracing, das Fingerprinting.
Volker: Es ist so. Wir sind wir, so wie wir sind.
Ingo: Man könnte das auch noch ein bisschen auf einer Meta-Ebene sehen.
Ingo: Es ist ja nicht nur das Problem, dass sie wirklich vollständig identifizierbar sind,
Ingo: und damit im Prinzip auch kein Recht auf Vergessen unserer Datenspuren besteht,
Ingo: weil es ja keine personenbezogenen, sondern nur technisch erfasste Informationen
Ingo: sind, sondern es ist auch das Problem, was ist, wenn wir nicht eindeutig sind?
Ingo: Also was ist, wenn ich nicht unique bin, wie wir ja bei dem unique sehen,
Ingo: dass wir mehrere tausend haben und die Behörden aber eine bestimmte Anzahl von
Ingo: Parametern haben, die bei uns übereinstimmt und wir dann in einer Erklärungsnot
Ingo: sind, weil die Indizien gegen uns sprechen.
Ingo: Das ist ja im Prinzip das Problem, was man mit der Rasterfahndung in den 70ern hatte.
Ingo: Ich will jetzt nicht das Thema ganz aufmachen, aber es ist trotzdem immer ein
Ingo: Problem, dass sich bestimmte Äquivalenzen,
Ingo: also Gleichartigkeiten in Mustern ergeben können, die eben zwar mathematisch
Ingo: von der Wahrscheinlichkeit einen glauben lassen, dass es eine Eindeutigkeit
Ingo: sein muss, weil wir so viele Parameter kombiniert haben,
Ingo: aber in der Praxis das eben nicht gleichbedeutend sein muss.
Ingo: Wir dann in der Vorfolge sind.
Volker: Genau, das ist der Punkt. Also wieder erstmal auf die Identitätstheorie zurück.
Volker: Dann hast du keine Identität erfasst, sondern du bist nur der Meinung,
Volker: aber die Parameter reichen nicht.
Volker: Das ist so wie wenn du, keine Ahnung, im Fußballstadion bist und sagst,
Volker: guck mal da hinten, der mit dem Bayern-Trikot.
Volker: Das könnte vielleicht bei einem Handballspiel eindeutig sein,
Volker: wenn du dann ein Fußballtrikot anhast, aber in einem Fußballstadion vielleicht nicht.
Volker: Das heißt, du hast die Identität nur unvollständig erfasst, dann wäre sie keine
Volker: Identität mehr, aber bleiben wir jetzt mal aus dieser Theorie raus.
Volker: Ja, das ist, dann gibt es einen Zwilling zu dir und jetzt meine ich jetzt nicht
Volker: diesen digitalen Zwilling oder was auch immer, sondern es gibt einen Zwilling zu dir.
Volker: Wissentlich, dass Zwillinge sich auch unterscheiden, aber für uns reichen die
Volker: Parameter, die wir erfassen, nicht mehr aus, um sie zu unterscheiden.
Volker: Das heißt, dein Zwilling hat jetzt irgendwas gemacht und mangels eindeutiger
Volker: Erfassung stehst du jetzt vor Gericht und die Beweise sprechen eindeutig gegen dich.
Ingo: Also das ist der eine Aspekt, also es wird gegen uns genutzt und der andere
Ingo: Aspekt, ich möchte möglichst anonym unterwegs sein.
Ingo: Es gibt ja manche Menschen, die wollen gerne mal im Netz suchen,
Ingo: ohne dass irgendjemand weiß, was sie angeguckt haben, gesehen haben, runtergeladen haben.
Ingo: Gerade bei der Filmpiraterie war das eine lange Zeit auch und da muss man schlicht
Ingo: und einfach sagen, wir sollten nicht glauben, dass das möglich ist.
Ingo: Es gibt eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass wenn wir uns im Netz bewegen,
Ingo: wir reidentifizierbar sind.
Ingo: Und wenn es da wirklich eine Straftat verbunden mit den Aktivitäten gibt,
Ingo: die wir gemacht haben, wird es auch mit Vorwärtsmaßnahmen nicht so leicht sein,
Ingo: unidentifizierbar zu sein, also unsichtbar zu sein.
Volker: Um da aus der Theorie auch rauszukommen, wir verlinken euch nochmal einen Podcast,
Volker: einen wunderbaren Podcast, Darknet Diaries.
Volker: Da ist es wunderbar beschrieben in der Episode LinkedIn-Attacke.
Volker: Das war vor knapp 20 Jahren, 15 Jahren ungefähr, als von LinkedIn Millionen
Volker: von Passworten und Nutzerdaten gestohlen wurden.
Volker: Und der Aufwand, der damals mit FBI getrieben wurde, es war dann nach einem
Volker: Auslandsfall, aber der mit FBI getrieben wurde, hat innerhalb von drei Monaten
Volker: einen in Russland ansässigen Täter überführt,
Volker: über Spuren, die er nur in den USA über Gmail-Accounts, über LinkedIn-Accounts,
Volker: Kreditkarteninformationen und so weiter hinterlassen hat, dass diese Informationen
Volker: zusammengeführt, dazu geführt haben, dass er eindeutig traceable war.
Volker: Es gab nun mal kein Auslieferungsabkommen zwischen den USA und Russland, komischerweise.
Volker: Das heißt, er war noch ziemlich unbehelligt. Der wurde aber nachher über Zahnarztbesuche
Volker: und Online-Termine in Russland durch amerikanischen Geheimdienst ausfindig gemacht.
Volker: Dadurch wussten sie auch, wer es war.
Volker: Und in einem Besuch in Tschechien, ich glaube 2017,
Volker: wurde er dann durch tschechisch-amerikanische Auslieferungsabkommen dann ausfindig
Volker: gemacht und mit einem Besuch seiner Freundin in einem tschechischen Café durch
Volker: amerikanische Geheimdienstler festgenommen, in die USA überführt und dort haftet.
Volker: Also das heißt, das, was wir hier gerade erzählen, ist keine Spinnerei,
Volker: sondern hat sogar schon zu echten Inhaftierungen geführt.
Volker: Ähm, ja.
Monina: Das heißt, wenn man sich bewusst ist, dass man solche Spuren verursacht,
Monina: dann, also A, sollte man natürlich sowieso keine Straftaten begehen,
Monina: aber selbst wenn man aus irgendwelchen anderen Gründen sich von seiner normalen
Monina: Identität abheben möchte, wenn man etwas sucht, beispielsweise einfach ein komplett
Monina: anderes Gerät mit einer komplett anderen Konfiguration nimmt,
Monina: dann ist man schon mal mit seinen Geräten nur noch bedingt untereinander linkbar.
Monina: Das könnte ja dann noch funktionieren, aber ist dann schon wieder ein Aufwand,
Monina: den man sich ja normalerweise auch nicht machen würde, wenn man jetzt,
Monina: keine Ahnung, mal sucht, ob der Zehennagel eingewachsen ist,
Monina: weil man Google-Gesundheitstipps möchte oder sonst was.
Monina: Was ja ein normaler Anwendungsfall, glaube ich, für viele Leute ist,
Monina: warum sie eigentlich unerkannt mal surfen wollen, weil sie nach Krankheiten
Monina: suchen oder nach anderen Dingen, die ihnen unangenehm sind im normalen Kontext.
Monina: Um das mal von richtigen Verbrechen auf einen legitimen Anwendungsfall,
Monina: warum Leute gerne im Internet unerkannt wären, zurückzuführen?
Volker: Ja, also da muss ich nicht so eine Paranoia entwickeln, sondern ich muss einfach
Volker: sagen, ich bin gerne in meinen Aktivitäten unerkannt, also gerne,
Volker: außer ich möchte es, dass ich erkannt werde.
Volker: Und mittlerweile ist es leider im Rahmen unseres digitalen Zeitalters leider
Volker: exakt umgekehrt, sogar mit der Ausprägung, dass ich das erkannt werden,
Volker: gar nicht mehr vollständig abschalten kann.
Volker: Ja, wenn wir das Ganze jetzt zusammenfassen wollen, bleibt in Richtung Fingerprinting
Volker: und Datensouveränität eigentlich relativ wenig Positives über.
Volker: Wir hatten am Anfang ja gesagt, naja, Browser Fingerprinting,
Volker: VPN, es gibt viele, viele Maßnahmen, Tor-Netzwerk, Anonymitätsbrowser, Inkognito-Seiten.
Volker: Es gibt viele Maßnahmen, die zumindest unseren Fingerprint, also den Satz an
Volker: eindeutigen Informationen, die wir hinterlassen, geringer machen.
Volker: Leider, leider ist dieser Gesamtdatensatz, den wir permanent durch die digitale
Volker: Kommunikation hinterlassen, immer noch so groß und eindeutig,
Volker: dass wir nicht mal eine übergreifende Suche machen.
Volker: Also wir müssen jetzt nicht irgendwie Bewegungsmuster mit aufgefassten WLAN-Access-Points
Volker: und irgendwie Kommunikationsverhalten irgendwie in Einklang bringen.
Volker: Nein, das Einzelne für sich reicht schon aus.
Volker: Wenigstens über eine Zeit lang beobachtet, um uns als Individuum,
Volker: jetzt sage ich mal nicht Name, Geburtstag, Adresse oder sowas,
Volker: sondern uns als Individuum erneut erkennbar zu machen.
Volker: Und spätestens dann kommen dann übergreifende Suchen, die uns nicht nur als
Volker: abstraktes Individuum erneut erkennbar machen, sondern als konkrete Person nachvollziehbar
Volker: machen. Was lässt sich dagegen tun?
Volker: Leider gar nichts. Wir können es vielleicht wem auch immer schwerer machen.
Volker: Aber wir können es nicht abstellen. Das ist halt eine Eigenschaft,
Volker: eine technische Eigenschaft, die wir auch gerne nutzen.
Volker: Das nette nennen wir dann Komfort, auf den wir auch nicht mehr verzichten wollen,
Volker: des Internets und der Internet gebundenen Kommunikation mit allen Applikationen, die wir heute nutzen.
Volker: Und primär ist es dann der Webbrowser, den wir natürlich tagtäglich dutzende Male nutzen.
Volker: Sekundär sind es Dinge wie unsere Netzwerkzugänge, die wir nutzen,
Volker: unsere Kommunikationsmedien wie, keine Ahnung, Smartwatches,
Volker: die über Bluetooth mit unserem Handy kommunizieren und so weiter.
Volker: Und wir werten nie die Daten, sondern nur die Metadaten aus. Das ist wichtig.
Volker: Und auch hier vielleicht nochmal für die interessierten Hörerinnen und Hörer,
Volker: das ist auch diese Diskussion über die Metadatenspeicherung.
Volker: Es geht überhaupt nicht darum, was wir gesagt haben, sondern mit wem wir was,
Volker: wo, wann, wie kommuniziert haben und wie unser Verhalten war.
Volker: Und schon lässt sich komplett auf uns schließen. und das ist schwierig bis gar
Volker: nicht zu unterbinden und wir sollten uns ganz kritisch hinterfragen,
Volker: wie weit wir das fassen wollen und jetzt von mir da auch der Abschluss,
Volker: indem wir in der weiten Masse verschwinden.
Volker: Das heißt ein Commodity-Handy mit einem Commodity-Browser auf Commodity-Suchmaschinen
Volker: mit was auch immer, damit es zumindest schwierig wird.
Volker: Und wir packen euch da auch noch Empfehlungen vom BSI ins Internet,
Volker: dass ihr einfach wisst, wie ihr in der Masse, in der Menge, in der Commodity,
Volker: in der Allgemeinheit einfach abtauchen könnt.
Volker: Ja, und das war hier schon unsere Serie oder unsere Sendung wieder im Rahmen
Volker: der Datensouveränität zu Bin ich überhaupt Herr oder Herrin meiner Daten?
Volker: Wir möchten vielleicht auch noch etwas Werbung machen für unseren nächsten Podcast,
Volker: der live sein wird, zusammen mit dem Partner Hamburg at Work,
Volker: als Podcast zum Thema Datenschutz und digitale Souveränität über Open Source
Volker: Software für kleine und mittlere Unternehmen.
Volker: Und entweder seid ihr live dabei bei Hamburg at Work oder wir sehen uns dann
Volker: oder hören uns Ende Juni mit der nächsten Episode, die wir dann genau das ausstrahlen.
Volker: Und ansonsten würde ich jetzt wieder übergeben an die hervorragende Monina mit
Volker: ihrem tollen Abspann. Monina.
Monina: Das war heute unsere Sicherheitslücke zum Thema Fingerprinting.
Monina: Ihr könnt wie immer die Sicherheitslücke überall finden, wo ihr Podcasts hört
Monina: und auch auf unserer Webseite www.sicherheitslücke.fm.
Monina: Den Link zu unserer Webseite und zu den weiterführenden Inhalten,
Monina: die wir gerade die ganze Zeit auch erwähnt haben, dieser Folge findet ihr in
Monina: den Shownotes, genau wie die Links zu
Monina: den sozialen Medien, die wir um die Sicherheitslücke herum vertreten sind.
Monina: Empfehlt den Podcast gerne weiter und bewertet uns dort, wo ihr uns hört,
Monina: damit wir uns auch andere leichter finden können.
Monina: Die Sicherheitslücke ist ein Podcast der Hamburg Open Online University und
Monina: die Kapitelbilder zu unseren Folgen kommen wie immer von der großartigen Anne
Monina: Vogt. Vielleicht habt ihr mittlerweile auch schon den einen oder anderen Sticker
Monina: gesehen mit ein paar besonders schönen Bildchen drauf von der Sicherheitslücke.
Monina: Die Produktion übernimmt wieder Christian Friedrich auch hier.
Monina: Vielen Dank dafür, unsere ganzen Outtakes rauszuschneiden, hoffentlich.
Monina: Wir verabschieden uns damit und bis zur nächsten Folge. Monina Schwarz, Ingo Timm.
Volker: Und Volker Skwarek.
Volker: Da fertig. Wieder ein Outtake mehr.
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